
Wird Speedwatching im Kino ein anhaltender Trend sein? Das Ansehen eines Zeitraffervideos wird immer noch als umstrittene Praxis angesehen, obwohl sie zunehmend akzeptiert wird.
Als Netflix die Option einführte, Filme und Fernsehserien mit erhöhter Geschwindigkeit anzusehen, kritisierten viele Regisseure und Fachleute der Filmbranche die Entscheidung und argumentierten, dass dadurch das Tempo einzelner Werke verändert wurde, die ursprünglich von ihren jeweiligen Machern beabsichtigt waren. Obwohl es keine offiziellen Daten zur Nutzung dieser Funktion unter Netflix-Nutzern gibt, wird davon ausgegangen, dass sie auf der Plattform und bei Zuschauern im Allgemeinen immer noch relativ ungewöhnlich ist.
In den letzten Tagen hat das Rendez-vous Québec Cinéma Festival in Montreal jedoch beschlossen, mit diesem Modus auch in Kinos zu experimentieren. Der Film Amour apocalypse der kanadischen Regisseurin Anne Émond wurde mit 1,5-facher Geschwindigkeit gezeigt, wodurch seine Laufzeit von rund einhundert Minuten auf etwas mehr als eine Stunde reduziert wurde. Die Initiative war Teil einer speziellen Sektion, die speziell beschleunigten Filmen gewidmet war.
Ziel des Festivals war es, die Reaktion des Publikums auf einen Film zu beobachten, der mit einer anderen Geschwindigkeit als dem Original gezeigt wird, und zwar angesichts der neuen Sehgewohnheiten eines Teils der Zuschauer, insbesondere des jüngeren Publikums, das zunehmend daran gewöhnt ist, beschleunigte Inhalte in sozialen Netzwerken und darüber hinaus zu konsumieren.
Die Kritik am Speedwatching in Kinos
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Die Initiative von Rendez-vous Québec Cinéma löste einige Kontroversen aus, insbesondere unter denjenigen, die das Kino als einen künstlerischen Ausdruck betrachten, der es als solcher nicht verdient, wie irgendwelche Inhalte behandelt zu werden, die schnell konsumiert werden müssen. Kurz gesagt, für viele Kritiker ist die Beschleunigung eines Films nicht mit der Beschleunigung anderer audiovisueller Inhalte wie einem Video-Tutorial zu vergleichen: Im Kino tragen Rhythmus, Pausen und Szenendauer zusammen mit anderen Faktoren dazu bei, das Werk selbst zu definieren und das Engagement des Publikums zu beeinflussen. Diese Elemente zu ändern bedeutet daher, die vom Regisseur vorgestellte Erfahrung zu ändern.
In den letzten Jahren wurde auch häufig über das Risiko diskutiert, dass kulturelle und künstlerische Werke zunehmend als Produkte wahrgenommen werden, die optimiert und schnell konsumiert werden müssen und dabei einen Teil ihres Ausdruckswerts verlieren. Tatsache ist, dass selbst unter Menschen, die es gewohnt sind, Hörbücher und Podcasts mit erhöhter Geschwindigkeit zu hören, immer noch eine gewisse Skepsis gegenüber der Idee besteht, dasselbe mit Filmen und Fernsehserien zu tun.
Experten stellen auch die möglichen kognitiven Konsequenzen dieser Gewohnheiten in Frage. Einigen zufolge könnte die mehr oder weniger kontinuierliche Exposition gegenüber beschleunigten Inhalten die Aufmerksamkeitsspanne einiger Nutzer und ihre Fähigkeit, über lange Zeiträume ein hohes Konzentrationsniveau aufrechtzuerhalten, beeinträchtigen, insbesondere bei jüngeren Menschen. Derzeit gibt es jedoch noch nicht genügend Studien, um irgendwelche Auswirkungen mit Sicherheit festzustellen, auch weil es sich um ein relativ neues Phänomen handelt.
Wie hat sich Speedwatching verbreitet?
Zu den ersten großen Plattformen, auf denen die Steuerung der Wiedergabegeschwindigkeit üblich war, gehörte YouTube, das diese Option vor mehr als zehn Jahren in seine Videoplayer integrierte. Im Laufe der Zeit wurde diese Funktion für einen erheblichen Teil der Nutzer zum Standard, für die es heute nicht mehr ungewöhnlich ist, die Geschwindigkeit eines audiovisuellen Inhalts zu erhöhen. Später wurde derselbe Mechanismus von Hördiensten übernommen, beispielsweise von Diensten, die Podcasts und Hörbüchern gewidmet sind. In diesen Fällen wurde die Möglichkeit, das Zuhören zu beschleunigen, fast sofort in das Angebot aufgenommen, was dazu beitrug, dessen Nutzung zu konsolidieren.
Gleichzeitig breitete sich die Praxis auch auf soziale Netzwerke aus, insbesondere auf TikTok, wo die Manipulation der Geschwindigkeit von Titeln zu einem kreativen Instrument wurde, um Songs an kurze Videos anzupassen. Das hatte auch Auswirkungen auf die Musikindustrie: Einige Songs aus der Vergangenheit wurden gerade in beschleunigten Versionen wieder populär, sodass ein Teil des jüngeren Publikums sie hauptsächlich in dieser Form kennt. Insgesamt hat all dies dazu beigetragen, dass die Idee, die Wiedergabegeschwindigkeit von Audio- und Videoinhalten zu ändern, immer natürlicher wurde.







































