Der knochentrocken-schicke Reiz der Techwear Couture Diese Saison wurde die Laufjacke zum schicken Regenschutz

In Europa und im Rest der Welt werden die Sommer immer heißer. Es liegt daher nahe, dass die erste Versuchung darin besteht, sich so wenig wie möglich anzuziehen, wenn die Sonne brennt. Dennoch hat das zahlreiche Marken, die in diesen Tagen in Paris ihre Kollektionen gezeigt haben, nicht davon abgehalten, technische Regenjacken oder Versionen technischer Jacken aus lackierten Baumwollstoffen oder sogar Leder in ihre Sommerkollektion zu integrieren, die auf eine entschieden schneiderhandwerkliche DNA aufgepfropft wurden.

Die größte Aufmerksamkeit hat zweifellos Rick Owens auf sich gezogen, der in seiner gestrigen Show im Palais de Tokyo eine Reihe von selbstklimatisierenden, grotesk aufgeblähten Jacken präsentierte, die in Zusammenarbeit mit adidas entstanden sind. Aber auch der poetische Dries Van Noten setzte in seiner Show zahlreiche synthetische und ultraleichte Parkas ein. Etwas ausgeklügelter präsentierte Prada in seiner Mailänder Show eine Type-3-Jacke, normalerweise aus Denim, die aus Nylon gefertigt war, während Simone Rocha bei seinem Menswear-Debüt auf der Pitti einen kaum wahrnehmbaren, gecropten Nylon-Bomber zwischen Schürzen und Spitzen einbettete. Aber warum?

Ein neues Element des Layerings

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Analysiert man, wie verschiedene Marken mit unterschiedlichen Absichten die klassische technische Silhouette eingesetzt haben, lassen sich zwei gemeinsame Elemente erkennen. Das erste trat eigentlich bereits mit der Veröffentlichung des Resort-2027-Lookbooks von Balenciaga zutage – vielleicht die bisher meistgelobte Kollektion von Pierpaolo Piccioli für das Haus. Die Absicht bestand darin, eine kommerzielle, auch sportliche Garderobe zu schaffen, die die Volumen und Konstruktionen der Archiv-Couture des Hauses nachbildet. Das Ergebnis war eine Reihe technischer Stücke von ausgesprochen raffiniertem Erscheinungsbild – in Bezug auf Materialien, Volumen und Farben –, die jedoch vielleicht einzig in der Lage sind, dem etwas müde gewordenen Repertoire der klassischen Track Jackets ein gewisses Maß an Niveausteigerung zu verleihen.

Der zweite Zweck, für den diese Techwear-Couture eingesetzt wurde, betrifft das Layering und damit das Verhältnis dieser Stücke zum Rest eines Outfits. In diesem Fall kombinierten Dries Van Noten und Saint Laurent beide die trockene Haptik, die lebhaften Farben und das geschmeidige, funktionale Design dieser Stücke mit den traditionelleren schneiderhandwerklichen Silhouetten: Im ersten Fall sahen wir unter vielen Beispielen einen bedruckten sommerlichen Regenmantel, der über einem Blazer getragen wurde; im zweiten Fall wurden drei Regenjacken fast wie Hemden in die Schneiderhosen gesteckt.

Es handelt sich um interessante Elemente, da sie über eine unerwartete Ausdrucksvielfalt verfügen: Die Bandbreite an Farben, Verarbeitungen, konstruktiven Möglichkeiten und Styling-Optionen ist unglaublich vielseitig. Das wichtigste Element ist jedoch das äußerst geringe Volumen dieser Stücke und ihre Halbtransparenz, was sie zu einer Art neuem und unerwarteten Baustein bei der Konstruktion eines Looks macht. Nicht zuletzt ist da noch der Aspekt der Kommerzialisierbarkeit dieser Kleidungsstücke, die normalerweise sehr praktisch, aber wenig ästhetisch sind und sich nun mehr oder weniger buchstäblich einem Makeover unterziehen. Dennoch spricht dieser Trend auch von einer größeren Bewegung, die sich auf dem Markt vollzieht.

Ein Leben im Laufschritt

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Wie BoF berichtet, organisieren viele Activewear-Marken in den kommenden Tagen in Paris Events, Präsentationen und sogar Läufe. Es handelt sich dabei um Unternehmen unterschiedlicher Größe, von On und Hoka bis hin zu kleineren Marken wie Satisfy, District Vision, Represent, Optimistic Runners, Ciele Athletics und Homerun. Viele dieser Termine umfassen Erlebnisse vor Ort, „Testläufe" für die Presse, Run Clubs und Sporteinheiten. Als diese Veranstaltungen vor Monaten geplant wurden, ahnte natürlich niemand, wie heiß es werden würde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Entscheidende ist, dass in den letzten Jahren die Welt des Laufens, der körperlichen Aktivität und des sogenannten Activewear (man denke nur daran, welch ein Gigant Alo geworden ist) explodiert sind. Schon vor Jahren hatte das Loewe von Jonathan Anderson die Zeichen der Zeit erkannt und mit On an einer Luxus-Sportswear-Kollektion zusammengearbeitet. Doch in ganz Europa gibt es inzwischen mehr oder weniger öffentliche Run Clubs in Hülle und Fülle: In Mailand ist in den letzten Monaten das „Team" von Katal Training populär geworden, das sehr Instagram-freundlich ist, da es von dauerhaft hemdlosen Models bevölkert wird; doch fast jede Stadt, allen voran London und Paris, hat ihre eigenen Run Clubs, die heute zu einem subtilen und wirkungsvollen Marketinginstrument geworden sind.

Genau in Paris bezeichnet sich der Marais Run Club, der mit On zusammenarbeitet, selbst als «welcoming but exclusive» – fast als wolle er auf den exklusiven Zirkelcharakter hinweisen, den diese Initiativen angenommen haben: Wie alle monetarisierbaren Lifestyles kann auch das Laufen zur Methode des Self-Brandings werden. Ein Club eben. Laut einer Studie des vergangenen Jahres, die von der britischen Gruppe Redtorch veröffentlicht wurde, wird 73 % der Sichtbarkeit von Laufmarken von der Marke selbst und nicht vom Produkt bestimmt – die Aufmerksamkeit, die Marken in sozialen Medien, in Medien und bei Online-Suchen erhalten, resultiert also weniger aus den technischen Eigenschaften oder der Leistung als vielmehr aus dem Namen und dem Image der Marke selbst.

Angesichts der wachsenden Popularität des Segments (laut Grand View Research könnte der globale Markt in den nächsten zehn Jahren auf bis zu 920 Milliarden Dollar anwachsen) ist es nur folgerichtig, dass diese Stile nicht nur zunehmend in den Rest unserer Looks integriert werden – wie Ralph Lauren in seiner Mailänder Show vielleicht prophezeit hat –, sondern auch, dass die Marken erkannt haben: Da der Verkauf dieser Produkte stärker vom Image als von der technischen Leistung selbst angetrieben wird, kann auch Techwear zur Couture erhoben werden.

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