Valentino wird auch wegen Arbeitsausbeutung angeklagt 2025 zeigt alle Mängel in der italienischen Lieferkette

Die Krisen innerhalb des Modesystems scheinen in letzter Zeit wirklich kein Ende zu nehmen. Während das vergangene Jahr von einer Reihe hochkarätiger Kreativdirektorwechsel geprägt war, hat sich der Fokus heute auf die Produktionskette verlagert — das schlagende Herz und offenbar der kranke Kern der gesamten Branche. Das Thema Sweatshops ist im Modelexikon sicherlich nicht neu, aber Anfang 2025, verschärft durch den eskalierenden Handelskrieg zwischen China und den Vereinigten Staaten, hat die Diskussion noch komplexer gemacht und die tiefen Mängel hinter dem Label „Made in Europe“ aufgedeckt. Nach Vorwürfen gegen Giganten wie Hermès und Chanel, die Produktion in China konzentriert zu haben, während in Europa nur noch die letzten Details fertiggestellt werden müssen, hat der Fall Valentino Bags Lab die Transparenz des italienischen Produktionssystems weiter in Frage gestellt. Ende April stellte das Gericht in Mailand Valentino Bags Lab Srl — ein von Valentino Spa kontrolliertes Unternehmen — unter Justizverwaltung, weil es die Herstellung von Beuteln an Werkstätten chinesischer Unternehmer vergeben hatte, in denen Berichten zufolge schwerwiegende Arbeitsrechtsverstöße begangen wurden, darunter unregistrierte Arbeitnehmer und Migranten ohne Papiere. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft und Ermittlungen der Carabinieri-Arbeitsschutzbehörde hat das Unternehmen keine angemessenen Kontrollen eingeführt, um die Arbeitsbedingungen und technischen Fähigkeiten seiner Lieferanten zu überprüfen. Diese Unterlassung, wenn auch fahrlässig, ermöglichte angeblich die Ausbreitung eines Ökosystems der Arbeitsausbeutung.

Die Untersuchung, die im März 2024 begann, umfasste sieben Workshops in den Provinzen Mailand sowie Monza und Brianza, die alle als nicht konform befunden wurden. Im Inneren identifizierten die Ermittler laut MilanoToday 67 Arbeitnehmer, darunter 9 Schwarzarbeiter und 3 Migranten ohne Papiere. In einigen Fällen wurden in den Fabriken illegale Schlafsäle entdeckt, um kontinuierliche Schichten, einschließlich Nacht- und Feiertagsarbeit, zu ermöglichen. Zeugenaussagen berichten von anstrengenden Arbeitszeiten, niedrigen Mindestlöhnen und einem völligen Mangel an Sicherheit — Maschinen ohne Schutzausrüstung, unhygienische Bedingungen und keine Schulung. Berichten zufolge wurden einige Handtaschen zu erschreckend niedrigen Preisen zwischen 35 und 75 Euro hergestellt, nur um dann zu Einzelhandelspreisen zwischen 1.900 und 2.200 Euro verkauft zu werden. Noch besorgniserregender war die Entdeckung von drei fiktiven Unternehmen ohne Mitarbeiter, die ausschließlich gegründet wurden, um die Produktion auf Papier zu simulieren, gefälschte Rechnungen auszustellen und Inspektionen zu behindern. Im Wesentlichen wurde ein paralleles Produktionssystem aufgedeckt — verdeckt und vollständig dereguliert, basierend auf aggressivem Outsourcing, unbefugter Vergabe von Unteraufträgen und dem systematischen Einsatz gefährdeter Arbeitskräfte. Die Eigentümer der beteiligten Unternehmen — alles chinesische Staatsbürger — wurden wegen Arbeitsausbeutung und Sicherheitsverstößen angezeigt, und gegen die Unternehmen wurden insgesamt Bußgelder in Höhe von mehr als 320.000€ verhängt.

Gleichzeitig scheint es, dass gegen Valentino Bags Lab keine formellen strafrechtlichen Ermittlungen laufen, aber das Mailänder Gericht hat eingeräumt, dass es fahrlässig dafür verantwortlich war, seine Lieferanten nicht angemessen zu beaufsichtigen, obwohl es sich der mit bestimmten Produktionsdynamiken verbundenen Risiken bewusst war oder vernünftigerweise davon ausgehen kann, dass sie sich dessen bewusst sind. Wie in The Fashion Law hervorgehoben, stellte der Richter fest, dass das Unternehmen „weiterhin mit Lieferanten zusammenarbeitete, die Arbeitnehmer ausnutzten und gegen Sicherheitsvorschriften verstießen, ohne seine internen Überwachungssysteme in irgendeiner Weise zu verbessern“, obwohl ähnliche Fälle — wie der letztjährige, an dem Christian Dior, Armani und Alviero Martini beteiligt waren — bereits breite öffentliche Aufmerksamkeit erregt hatten. Der Fall Valentino passt somit in das düstere Bild des heutigen „Made in Italy“, in dem mittlere bis große Unternehmen zunehmend von ausländischen Luxusgiganten übernommen werden, und kleinere Lieferketten schreien um Hilfe, um über Wasser zu bleiben. Können wir in einem solchen Szenario immer noch von Made in Italy als etwas wirklich Italienisches sprechen? Oder ist es kaum mehr als ein komplexes Marketingsystem geworden, mit dem Mode zu exorbitanten Preisen verkauft werden soll?

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