
Sind wir sicher, dass Deepfake-Videos nicht so gefährlich sind? Hatten wir unsere Fähigkeit, gefälschte Inhalte zu unterscheiden, unterschätzt?
Software für künstliche Intelligenz, mit der gefälschte Videos erstellt werden können, um Benutzer zu täuschen, gibt es seit Jahren. Im Jahr 2017 wurde der Begriff „Deepfake“ geprägt, um sie zu beschreiben. Dabei wurde das Wort „Fake“ mit „Deep Learning“ kombiniert, einer der Technologien, die den Systemen zugrunde liegen, die zur Produktion solcher Inhalte benötigt werden. Von Anfang an wurde das Thema mit großer Besorgnis behandelt, insbesondere im Hinblick auf ihre Rolle bei der Verbreitung von Desinformation und politischer Propaganda. Diese Softwareprogramme zielen in der Regel darauf ab, die Stimme und Gesichtsbewegungen einer realen Person — oft eine bekannte Figur — so überzeugend nachzubilden, dass es den Anschein hat, als würde sie sagen, was der Ersteller im Video will. Viele Deepfakes, die online im Umlauf sind, werden jedoch immer noch mit kostenloser, rudimentärer Software erstellt und enthalten auffällige Mängel und Fehler, die manchmal leicht zu erkennen sind. Diese Defekte führen oft zu einer verzerrten Wirkung, die sofort sichtbar ist. Einige der pessimistischsten Prognosen über den Anstieg von Deepfakes unterschätzten die Fähigkeit der Menschen, manipulierte Clips zu identifizieren. Während sich die technische Qualität KI-gestützter Systeme in den letzten Jahren verbessert hat, hat auch die Fähigkeit der Öffentlichkeit, authentische Inhalte von gefälschten zu unterscheiden, zugenommen. Aber es gibt einen Vorbehalt. Andererseits hat die zunehmende Verbreitung manipulierter Videos — ob grob oder raffiniert, für politische oder andere Zwecke — die Skepsis gegenüber Videos im Allgemeinen gefördert und einige Nutzer dazu veranlasst, echte Clips so zu behandeln, als wären sie gefälscht.
Die weit verbreitete Manipulation von Inhalten hat im Wesentlichen zu einem Anstieg des Misstrauens der Menschen gegenüber Video als Medium geführt, wenn auch unbewusst. The Atlantic hat sich vor Jahren mit diesem Aspekt befasst und festgestellt, dass die wachsenden Zweifel an der Echtheit von Videos auch für Propagandazwecke ausgenutzt werden könnten. Das passiert schon mit den Nachrichten. Der ehemalige Präsident Trump beispielsweise ist besonders geschickt darin, jede unbequeme Wahrheit als „Fake News“ zu kennzeichnen und damit die Medien präventiv zu diskreditieren. In ähnlicher Weise könnte die technologische Fähigkeit, immer realistischere Deepfakes zu erstellen, auf lange Sicht dazu führen, dass die Menschen der Zuverlässigkeit von Videos insgesamt weniger vertrauen. Heute gelten Videos im Allgemeinen immer noch als starker Beweis dafür, dass etwas passiert ist, aber dieser Zusammenhang könnte in Zukunft an Bedeutung verlieren.
if i had to see joe biden in mugler drinking bud light so do u https://t.co/YayMmrSzef
— noah (@pradachurch) May 22, 2023
Die Fähigkeit, Videos zu manipulieren, war seit der Gründung des Mediums immer ein Risiko. Aus diesem Grund haben einige Wissenschaftler die Frage gestellt, ob KI-Tools wirklich eine stärkere Manipulation von Informationen ermöglichen, als dies bisher möglich war. Die sogenannten „billigen Fälschungen“ veranschaulichen dieses Phänomen gut. Der Begriff bezieht sich auf relativ einfache und zugängliche Videomanipulationstechniken, wie z. B. das Ändern von Geschwindigkeit, Länge oder Audio. Beispielsweise warben politische Gegner von Joe Biden in den letzten Phasen des US-Präsidentschaftswahlkampfs für Ausschnitte aus seinen offiziellen Auftritten, die so bearbeitet wurden, dass er verloren oder verwirrt wirkte. Diese trügerische Taktik verstärkte die wachsende Auffassung, dass Biden aufgrund seines Alters nicht die volle Kontrolle hatte und es ihm an der Klarheit mangelte, die für die Führung einer Nation erforderlich war. Obwohl die Verbreitung dieser Videos rudimentär war, heizte sie Debatten über Bidens körperlichen und geistigen Zustand an und erwies sich paradoxerweise als trügerischer und effektiver als traditionelle Deepfakes. Oft sind KI-generierte Videos alles andere als überzeugend. Dies zeigt sich in der Comedy-Serie Deep Fake Neighbour Wars, die mithilfe von KI Schauspielern in surrealen und grotesken Szenarien Gesichter von Prominenten überlagert. Das Ergebnis ist nicht ganz makellos: Die Probanden haben bei Auftritten nur eingeschränkte Gesichtsausdrücke, und Bewegungen wie Kopfdrehen oder zu heftige Bewegungen kann die Technologie noch nicht bewältigen. Schauspieler können auch nicht hinter Glas stehen oder im Regen agieren, da die KI ein vollständig sichtbares Gesicht benötigt, um effektiv zu arbeiten.
@itvx Don't mess with Idris's garden Kim. You've been warned Stream #DeepFake Neighbour Wars on #ITVX original sound - ITVX
Die Macher von Deep Fake Neighbour Wars sorgten akribisch dafür, dass die Zuschauer nicht fälschlicherweise glauben, dass die Prominenten wirklich an der Show teilnahmen. Jede Episode beginnt mit einem markanten Haftungsausschluss, der dies verdeutlicht, und das Etikett „Deep Fake“ bleibt durchgehend in einer Ecke des Bildschirms sichtbar. Selbst wenn solche Warnungen aus irreführenden Gründen weggelassen werden, ist es oft möglich, anhand des Kontextes, in dem er veröffentlicht wurde, zu erkennen, ob ein Clip echt oder falsch ist. Wenn beispielsweise ein Video von einer glaubwürdigen Nachrichtenagentur geteilt wird, ist dies oft ein starker Beweis dafür, dass das dargestellte Ereignis eingetreten ist. Dieses Kriterium galt schon lange vor der Verbreitung von Deepfakes für Videos und untermauert auch heute noch die Bewertung anderer Arten von Inhalten wie Fotos. Zwar kann es Jahre dauern, bis KI-Systeme immer ausgefeilter werden, wie der Deepfake-Experte Hany Farid im Guardian schrieb, aber es ist wichtig, bereits „gute Gewohnheiten in unserem Umgang mit Informationen zu entwickeln und gesunden Menschenverstand mit einer gesunden Portion Skepsis zu verbinden“.











































