
5 Highlights der Paris Couture Week HW26 Junge Talente hinterlassen ihren Eindruck in den Ateliers der französischen Hauptstadt
Mit der Paris Couture Week neigt sich ein weiterer Monat voller Shows vor der Sommerpause dem Ende zu: Die Mode darf endlich etwas durchatmen und neue Energie für einen explosiven September sammeln. Was von dieser Woche der Haute Couture in Erinnerung bleiben wird, ist, dass zwar die Kollektionen von Matthieu Blazy für Chanel und Jonathan Anderson für Dior die Herzen höher schlagen ließen, was die Kenner der Modewelt jedoch wirklich begeisterte, eine neue Generation von Designern war. Von Rahul Mishra bis Michael Stewart, von Duran Lantink bis Robert Wun – die jungen Designer der Haute Couture haben bewiesen, dass sie wirklich wissen, was sie tun.
Hier sind 5 Highlights der Paris Couture Week HW26.
Dior vs. Chanel
Vielleicht ist es nur ein von einer gelangweilten Modewelt inszeniertes Drama, das zwei ihrer Lieblingskreativdirektoren gegeneinander ausspielen muss – doch die Shows von Jonathan Anderson für Dior Couture und Matthieu Blazy für Chanel Couture, die diese Woche stattfanden, entfachten erneut Gerüchte über eine angebliche künstlerische Rivalität zwischen den beiden. Die zwei Kollektionen wiesen tatsächlich deutliche Gemeinsamkeiten auf: von ihren Referenzen, die in der Naturwelt verwurzelt und durch dieselbe elegante Linse betrachtet wurden, bis hin zu ihren Silhouetten mit dichten Texturen, Layering und Anklängen an den Stil des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Wir ziehen es vor, dies als Zufall zu betrachten, geboren aus dem Zeitgeist und der allgemeinen Geschmackshomogenisierung unter den Kunden beider Häuser – aber niemals nie.
Rahul Mishra
Rahul Mishra ist erst seit 2020 Teil des Couture-Kalenders und war der erste indische Designer, der offiziell daran teilnahm. In dieser Saison brachte der Designer ein uraltes Spektakel auf den Laufsteg: Unter dem Titel Devi: The Eternal Muse schöpfte die Kollektion Inspiration aus der Architektur und den jahrtausendealten spirituellen Figuren Südindiens. Die Models wurden durch aufwendige Stickereien und Drapierungen – ein charakteristisches Markenzeichen von Mishras Kollektionen – sowie durch Kopfschmuck, der von den weiblichen Gottheiten des Hinduismus inspiriert war, in Statuen verwandelt. Neben den kulturell spezifischeren Looks entwarf Mishra Abendkleider mit weniger kultureller Spezifität, ideal für internationale Kunden, die die hochkarätige Schneiderei des Designers genießen möchten, ohne das Risiko unangenehmer Fehler einzugehen.
Standing Ground
Die Erwartungen an Standing Grounds erste Haute-Couture-Show waren enorm – vielleicht übertrieben hoch – doch trotz einiger vernachlässigbarer Kritikpunkte traf die Show ins Schwarze. Die Kollektion verband das Geheimnis antiker Artefakte mit einer brillanten, beinahe künstlichen Farbpalette und brachte Kleidungsstücke hervor, die den Körper wie Stein skulptierten. Von Korsetts, die die weibliche Form durch sandfarben-beiges Samt widerspiegelten, bis hin zu erhabenen, perlbestickten Rippenstrukturen, die sich über die gesamte Länge der Körper der Models erstreckten – Standing Grounds technische Drapierkunst beschwor dasselbe Staunen wie eh und je. Und wir können es kaum erwarten, die Stücke auf kommenden roten Teppichen zu sehen – vielleicht schon bald in Venedig diesen Sommer.
Robert Wun
Diese neue Kollektion von Robert Wun wirkt wie ein Seitenhieb auf all jene Kritiker, die behaupten, seine Looks seien zu wörtlich, zu karnevalesk. Unter dem Titel Childsplay schöpfte dieses neue Projekt Inspiration aus der Vorstellungskraft von Kindern, die eingehend erforscht und durch die meisterhafte Schneiderei des Hongkonger Designers zum Ausdruck gebracht wurde. Auf dem Laufsteg war eine Atmosphäre wahrhaft reiner Kreativität zu spüren, vermittelt durch übergroße Spielzeugaccessoires, Anspielungen auf Harlekin und Cinderella sowie die Träger eines elektrisch-blauen Kleides, die von zwei lebensecht wirkenden Vögeln emporgehoben wurden. Es mag tatsächlich zu wörtlich sein, doch wir können unsere Augen immer noch nicht von dem rosa Spieluhr-Kopfschmuck, dem riesigen Glitzer-Schmetterling auf dem Meerjungfrauenkleid und dem Skelettanzug lassen. Manchmal ist der radikalste Akt, den man auf dem todernsten Pariser Laufsteg vollziehen kann, schlicht und einfach Spaß zu haben.
Jean Paul Gaultier
Mit der Ankunft von Duran Lantink bei Jean Paul Gaultier, die im April 2025 bekannt gegeben wurde, fand das Gastdesigner-Projekt des Hauses für die Haute Couture seinen Abschluss. Nach Ludovic de Saint Sernin, Simone Rocha, Nicolas di Felice und Haider Ackermann war es Lantink, der die Haute Couture des Enfant terrible der Mode übernahm. Der Kreativdirektor widmete sich einmal mehr der Erkundung der Übertreibung des anatomischen Körpers, mit umgekehrten Kleidungsstücken, Schleppen, die am Bauch begannen und nach vorne fielen statt zu den Füßen, weit ausladenden Feder- und Tüllschleppen sowie röhrenförmigen Strukturen, die hüllenden Samtabendkleidern Persönlichkeit verliehen. Wohl die gelungenste Kollektion von Lantinks bisheriger Amtszeit beim Haus Gaultier.



























































































