
Fendis Haute Couture von Maria Grazia Chiuri ist sehr Art und wenig Déco Ein eleganter, kontrollierter, aber vielleicht etwas blutleerer Einstand
Gestern präsentierte die Galleria Nazionale d'Arte Moderne e Contemporanea in Rom vor den Augen einer strahlenden Sarah Jessica Parker die erste Haute-Couture-Kollektion von Fendi unter Maria Grazia Chiuri. Wie ihr Debüt im Ready-to-wear basierte auch diese Kollektion auf sehr wenigen Farben (praktisch nur Schwarz und Weiß) und war voller Anklänge an Silhouetten des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Der Eröffnungslook griff ein bekanntes Tunikakleid der Couturière Emilie Louise Flöge auf, der Lebensgefährtin Gustav Klimts und berühmten Wiener Haute-Couture-Designerin, deren Werke während des Zweiten Weltkriegs fast vollständig bei einem Brand vernichtet wurden.
Und tatsächlich ließ sich trotz der völlig reduzierten Silhouetten ein gewisser Hauch von Art déco spüren – in den geometrischen Verzierungen bestimmter transparenter Tops, in einem schwarzen Kleidchen, das den klassischen Robe de style von Jeanne Lanvin auf moderne Weise zu zitieren schien, in bestimmten floralen Motiven mit einem vielleicht leicht klimtianischen Geschmack, in den Zickzacknähten des Pelzfutters eines Mantels sowie in den Tuniken und Kaftanen, die an jene Seidenstücke angelehnt waren, die Vitaldi und Maurice Babani für die Pariserinnen der 1910er und 1920er Jahre schufen. Es waren Referenzen, die eher beschworen als wörtlich übernommen wurden, ausgedehnt auf eine Reihe sehr klassischer, nahezu zeitloser Looks und Entwürfe, die durch eine äußerst reduzierte Farbpalette mit einem schlichten Sinn für Eleganz vereint wurden.
In vielerlei Hinsicht erinnerte diese Schau an die letzte Haute-Couture-Kollektion von Dior, eine Abschiedsschau und zugleich eine Rückkehr ins geliebte Rom, wo man den Eindruck hatte, die Kreativdirektorin fühle sich wohler als im performativen und leistungsorientierten Paris. Chiuri leitet seit Jahrzehnten nicht nur kommerzielle Modegiganten, sondern echte Maisons de Couture, und wir wissen bereits, dass sie keine Theatermacherin ist (ironisch, da sie ein Theater besitzt) und auch keine Konzeptkünstlerin (erneut ironisch, da sie es liebt, mit zeitgenössischen Künstlerinnen zusammenzuarbeiten), sondern eine Schöpferin von Kleidern mit sicherem Appeal – opulent, aber nicht auffällig, aufwendig, aber nicht experimentell. Dabei kann es keine Überraschungen geben, und vielleicht sollte man auch keine erwarten.
Was man jedoch festhalten muss: Befreit von den Zwängen, die ihr die Arbeit bei Dior möglicherweise auferlegt hatte, hat Chiuri – sowohl in ihrer letzten Schau für jenes Haus als auch in ihrer ersten für Fendi – jeden Anspruch auf Unterhaltung fallen gelassen und wirkt aufrichtig stärker in Kontakt mit der Ästhetik, die sie wirklich interessiert. In beiden Schauen fehlte jede Spur jener Schnörkel und Styling-Erzwingungen, die bei ihrem Dior gelegentlich befremdlich wirkten – abgesehen vielleicht vom fünfundzwanzigsten Look, wo ein optisch weißer Einsatz im Ausschnitt eines transparenten Kleides ein wenig an jene Gipsfeigenblätter erinnerte, mit denen man in sittsamen Zeiten die Blößen antiker Statuen zu bedecken pflegte.
Insgesamt war diese Schau voller Kleider, die dunkler, schlichter und beinahe sanft trauervoll wirkten. Ein vollständig transparentes Meerjungfrauenkleid mit einem aufgesetzten, ausgestellten schwarzen Rock und ein Herrenmantel aus Pelz waren die einzige Konzession ans Bildhafte. Alles andere war sehr fließend und stimmig. Alles war sehr Chiuri, sehr durchdacht. Und das ist in Ordnung. Wir erheben keinen Anspruch darauf, überrascht zu werden – doch vermag Maria Grazia Chiuri wenigstens sich selbst zu überraschen? Eine Haute-Couture-Kollektion kann sich alles erlauben, Strenge eingeschlossen – auch wenn der eigentliche Wunsch ist, dass die Kreativdirektorin, selbst wenn sie den eingeschlagenen Kurs beibehält, zumindest versucht, einen Hauch von Lebendigkeit in das Ready-to-wear von Fendi einzubringen, dessen einziges, wahres und zentrales Produkt, die Baguette, gerade deshalb berühmt ist, weil es sie in tausend bunten Varianten gibt.
















































































































