Ab Mai sind viele Flüge in Europa gefährdet Stimmt es wirklich, dass wir diesen Sommer nicht fliegen können?

Aufgrund des Krieges im Iran könnten in den kommenden Monaten Tausende von Flügen storniert werden. Die Schließung der Straße von Hormuz, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öls fließt, hat die Preise für Düsentreibstoff in die Höhe getrieben. Sie haben sich in nur wenigen Wochen fast verdoppelt und laut Telegraph 1.700 USD pro Tonne überschritten. Es ist nicht nur teurer, sondern vor allem auch weniger verfügbar und weitaus weniger vorhersehbar: In Europa kam beispielsweise am 9. April die letzte Lieferung von Düsentreibstoff aus dem Nahen Osten an. Laut der Financial Times hatten die Fluggesellschaften vor Ausbruch des Konflikts für April eine Kapazitätserhöhung von 5,4% geplant, die nun auf nur noch 0,2% reduziert wird.

Die neuesten Aktualisierungen, über die auch der WWD berichtet hat, deuten auf ein eher strukturelles Risiko hin: Wenn der Verkehr durch die Straße von Hormuz innerhalb der nächsten Wochen nicht wieder auf ein stabiles Niveau zurückkehrt, könnte Europa bereits im Mai in eine Phase systemischer Engpässe an Flughäfen eintreten. In Italien haben Flughäfen wie Mailand Linate, Venedig, Treviso und Bologna die Betankung zwischen dem 2. und 9. April aufgrund von Problemen mit einem wichtigen Lieferanten vorübergehend eingeschränkt. Im Moment sind dies Einzelfälle, aber sie zeigen, wie fragil das System geworden ist.

Treibstoffkrise in Europa, wie gefährdet sind wir wirklich?

@skynews In an interview with Sky's @wilfred.frost, Ryanair CEO Michael O'Leary has warned the war in the Middle East could disrupt jet fuel supplies across Europe later this spring. #SkyNews #Iran #MiddleEast original sound - Sky News

In Europa ist die Situation immer noch unter Kontrolle, aber nur auf dem Papier. Wie von Politico EU berichtet, haben mehrere Fluggesellschaften für weitere vier bis sechs Wochen Einblick in die Treibstoffvorräte, aber diese Marge schrumpft schnell. Das Problem ist nicht nur der Preis, sondern auch die physische Verfügbarkeit von Treibstoff: Wenn kein Kerosin ankommt, starten Flüge einfach nicht.

Der heikelste Fall ist nach wie vor das Vereinigte Königreich, das in den letzten Monaten etwa die Hälfte seines Treibstoffs aus dem Nahen Osten bezogen hat, nachdem es seine Abhängigkeit von Russland verringert hatte. Michael O'Leary, CEO von Ryanair, sagte Sky News offen, dass in den kommenden Wochen zwischen 10 und 25% der Lieferungen gefährdet sein könnten. Lufthansa hat erwogen, bis zu 5% ihrer Flotte zu sperren, während SAS rund tausend Flüge storniert hat und Air France-KLM Langstreckenzuschläge eingeführt hat. Interne Spannungen wie der Streik der Lufthansa-Piloten, der bereits zu Hunderten von Stornierungen geführt hat, erschweren die Situation zusätzlich.

Flugkürzungen und steigende Preise in Asien

Wenn es in Europa immer noch um Risiken geht, ist es in Asien bereits eine ausgewachsene Krise. Fluggesellschaften in der Region gehören zu den am stärksten gefährdeten Fluggesellschaften, da sie stark von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängig sind. Wie die Financial Times hervorhob, kürzen viele Fluggesellschaften bereits ihre Strecken und ergreifen Notfallmaßnahmen, um die Kosten einzudämmen.

Korean Air hat intern eine Umstellung auf den „Notfallmodus“ angekündigt, während Asiana Airlines bereits mehrere Flüge nach China und Kambodscha storniert hat. Andere Fluggesellschaften erhöhen die Ticketpreise oder erhöhen Treibstoffzuschläge, während globale Unternehmen wie Cathay Pacific ab Mai damit begonnen haben, ihre Kapazitäten zu reduzieren. In Märkten wie Vietnam diskutieren Fluggesellschaften offen über Kürzungen von bis zu 20% der Flüge in den kommenden Monaten.

Laut Guardian ist die Situation so angespannt, dass einige südkoreanische Fluggesellschaften die Regierung gebeten haben, Treibstoffexporte zu blockieren und sie auf den Inlandsmarkt umzuleiten, wodurch Länder wie Australien einem Risiko ausgesetzt sind, da das Land für etwa 80% seines Angebots von Importen abhängig ist. Gleichzeitig hat Japan begonnen, über mögliche Betankungsbeschränkungen zu diskutieren, während auf den Philippinen ein nationaler Energienotstand ausgerufen wurde, bei dem die konkrete Gefahr besteht, dass Flugzeuge am Boden landen.

Sommerferien 2026, solltest du jetzt buchen oder warten?

An diesem Punkt stellt sich unausweichlich die Frage: Was passiert mit den Sommerferien? Die Antwort ist weniger sicher als es scheint. Diejenigen, die bereits gebucht haben, sind derzeit durch europäische Vorschriften relativ geschützt, nach denen Fluggesellschaften Rückerstattungen und Entschädigungen für Stornierungen innerhalb von 14 Tagen vor Abflug anbieten müssen. Wenn Flüge jedoch früher gestrichen werden, müssen die Fluggesellschaften keine Entschädigung zahlen.

Kurzfristig dürften die Preise weiter steigen, wie es bereits der Fall ist, mit Steigerungen, die mehrere Fluggesellschaften schätzen, zwischen 15 und 20%, während die Reduzierung der weltweiten Kapazitäten, die bereits bei amerikanischen, asiatischen und europäischen Fluggesellschaften im Gange ist, dazu führen könnte, dass einige Ziele weniger zugänglich sind. Es kann daher sinnvoll sein, jetzt zu buchen, um sich immer noch überschaubare Tarife zu sichern, allerdings mit dem Verständnis, dass sich die Pläne immer noch ändern können.

Im schlimmsten Fall, das immer noch extrem, aber nicht mehr unmöglich erscheint, könnten einige Strecken, insbesondere weniger rentable, vollständig eingestellt werden, wodurch das Gesamtangebot reduziert wird und weniger Optionen zur Verfügung stehen. Realistischer ist jedoch ein Sommer mit teureren Flügen, weniger Abflügen und längeren Strecken, auf denen bestimmte Gebiete umfahren werden, wobei das Gleichgewicht zwischen Nachfrage, Kosten und der tatsächlichen Verfügbarkeit von Treibstoff immer fragiler wird.

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