Wird KI die Zahl der Scheidungen erhöhen? Aber vor allem: Ist es Betrug, wenn es um einen Chatbot geht?

2013 schloss Regisseur Spike Jonze mit dem Film Her nicht aus, dass eine Person eine romantische Bindung zu einem virtuellen Assistenten eingehen könnte. Heute, mit dem zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenzsysteme, ist diese Hypothese überraschend konkret geworden: Viele Menschen nutzen KI-Systeme, um sich zu vertrauen, und in einigen Fällen entwickeln sie sogar eine echte emotionale Bindung zu Chatbots.

Diese Tools helfen vielen Menschen, sich weniger einsam zu fühlen, und geben ihnen die Möglichkeit, Gefühle auszudrücken, ohne befürchten zu müssen, beurteilt zu werden, und unter bestimmten Umständen helfen sie, traumatische Erfahrungen zu überwinden. Es gibt auch Systeme, die speziell für Personen entwickelt wurden, die Schwierigkeiten haben, mit anderen in Kontakt zu treten, und die gleichzeitig darauf abzielen, eine schrittweise Rückkehr zu Offline-Interaktionen zu fördern.

Chatbots und Beziehungskrisen

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Aber nicht alle Beziehungen zu KI — gleich welcher Art — sind frei von Konsequenzen. Die US-Ausgabe von Wired berichtete beispielsweise kürzlich von einer Zunahme von Fällen, in denen ein Partner die Beziehung des anderen zu einem Chatbot als eine Form von Untreue betrachtet. Darüber hinaus hilft die ständige Verfügbarkeit dieser Systeme und ihre Fähigkeit, empathisch zu reagieren, nicht weiter: Wired zitiert die Geschichte einer Frau, die beschlossen hat, sich von ihrem Partner zu trennen, weil beide ihre Beziehung zu einem Chatbot als eine Art Verrat empfanden.

Die Gesetzgebung versucht langsam, sich an dieses Phänomen anzupassen. In einigen US-Bundesstaaten kann eine emotionale Beziehung zu einem Chatbot als Scheidungsgrund angesehen werden, insbesondere wenn dies zu einer Verschlechterung der Beziehung oder zu problematischen Verhaltensweisen führt. Einigen Anwälten zufolge besteht auch die Möglichkeit, rechtliche Schritte einzuleiten, selbst wenn jemand sensible und private Informationen über seine Beziehung zu einem Chatbot weitergibt. In einigen Fällen könnten Richter die KI-Beziehung in Sorgerechtsfällen berücksichtigen: Der übermäßige Einsatz von Chatbots oder längere intime Gespräche könnten als Zeichen der Vernachlässigung der Kinder interpretiert werden.

Die rechtlichen Risiken von Beziehungen zu KI

@iamkylebalmer ating? i think we’re only a year or so away before we see our first AI divorce #learnai #future #infidelity #chatgpt original sound - iamkylebalmer

Die Vorschriften sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. Kalifornien führt beispielsweise Regeln ein, die KI als dritte Partei in Beziehungen definieren, ohne sie mit einem Menschen gleichzusetzen, sondern ihre potenziellen Auswirkungen anzuerkennen. Ohio, auf der anderen Seite, versucht, jegliche rechtliche Berücksichtigung romantischer Beziehungen zu KI zu verbieten.

Experten gehen davon aus, dass mit der fortschreitenden Entwicklung von Chatbots sowohl die emotionalen Beziehungen zur KI als auch die Konflikte, die sich aus diesem Phänomen innerhalb von Paaren ergeben, zunehmen werden. Im Vereinigten Königreich beispielsweise berichten einige Plattformen, die sich mit Online-Scheidungen befassen, bereits von einem Anstieg der Fälle, in denen Software wie Replika als auslösender Faktor genannt wird.

Die Interaktion mit KI, auch wenn sie eng ist, gibt jedoch nicht immer unbedingt Anlass zur Sorge. Für viele Menschen stellen diese Tools eine Unterstützung dar, insbesondere in Momenten der Einsamkeit. Experten erklären, dass der entscheidende Punkt darin besteht, ihre Grenzen zu erkennen und zu vermeiden, dass sie menschliche Beziehungen vollständig ersetzen oder Probleme im Beziehungsleben verursachen.

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