Maison Margiela dreht endlich einen Film über sein größtes Geheimnis «Anonymity», unter der Regie von Thibaut Grevet und mit Rebecca Hall in der Hauptrolle, feiert am 9. September 2026 Premiere

Seit siebenunddreißig Jahren baut Maison Margiela eine der unverwechselbarsten Identitäten der Mode auf – indem sie es ablehnt, eine zu haben. Kein zur Schau gestelltes Logo, kein Gesicht, keine Verbeugung am Ende der Schau. Während die Branche die Schöpfer zunehmend in Berühmtheiten verwandelt hat, hat Martin Margiela das Gegenteil getan: zu verschwinden, damit die Kleider sprechen. Diese Idee – mehr als ein bloßer ästhetischer Code – scheint das Haus mit Anonymity erkunden zu wollen, einem neuen Kurzfilm unter der Regie von Thibaut Grevet mit Rebecca Hall in der Hauptrolle, der am 9. September 2026 enthüllt wurde.

Wenn Abwesenheit zur Signatur wird

Anonymität war bei Margiela nie ein bloßes Stilmittel. Sie wurde zu einer Sprache. Bereits bei der ersten Schau 1988 verschwinden die Gesichter hinter Schleiern. Dann kommen die Masken, die vier weißen Punkte anstelle eines Logos, die weißen Kittel der Teams, die kollektiven Interviews, Martin Margielas Weigerung, fotografiert zu werden oder das Publikum am Ende der Schauen zu grüßen. In einer Zeit, in der unaufhörlich von Sichtbarkeit gesprochen wird, hat Margiela ein ganzes Haus auf dem gegenteiligen Gedanken aufgebaut: erkannt zu werden, ohne je gesehen zu werden.

Nach Joy – eine neue Art, Margiela zu erzählen

@maisonmargiela

JOY: A short film We invite you to celebrate our Spring Summer 26 collection with a short film, “Joy”, starring composer and pianist Max Richter and Association Orchestre à l’École, the same orchestra that performed at our Spring Summer 26 show. Inspired by the collection and show theme: a chaotic opera, Max Richter composed an original score for the campaign titled “Joy”, which he performs in this film at the harpsichord alongside the 43 young musicians.

original sound - Maison Margiela

Anonymity kommt nicht aus dem Nichts. Im vergangenen März präsentierte Maison Margiela Joy, ebenfalls unter der Regie von Thibaut Grevet, in dem der Komponist Max Richter gemeinsam mit den jungen Musikerinnen und Musikern der Association Orchestre à l'École vor der Kamera stand – die bereits während der Frühjahr-Sommer-Schau 2026 zugegen waren. Mehr als eine Kampagne verlängerte der Film das Universum der Kollektion und verwischte die Grenzen zwischen Mode, Musik und Kino. Mit Anonymity scheint das Haus diese Richtung zu bestätigen: Filme dienen nicht mehr nur dazu, Kleidungsstücke zu präsentieren, sondern die Ideen zu erzählen, aus denen sie entstehen.

Kino als neuer Raum der Reflexion

Seit der Ankunft von Glenn Martens begnügt sich Maison Margiela nicht damit, die eigenen Archive neu zu interpretieren, sondern reaktiviert die Konzepte, die ihre Legende begründet haben. Das Projekt MaisonMargiela/folders, das in diesem Jahr enthüllt wurde, ist der Beweis dafür. Als eine Reihe von Kapiteln konzipiert, die den großen Gründungscodes des Hauses gewidmet sind, hat es bereits Ausstellungen, Installationen und immersive Erlebnisse hervorgebracht, in denen Anonymity, Tabi, Bianchetto und Artisanal weit über das Kleidungsstück hinaus erkundet werden. Die Entscheidung, der Anonymität heute einen Film zu widmen, fügt sich daher in eine umfassendere Reflexion ein, in der jedes Projekt das vorherige verlängert und Stück für Stück die DNA von Margiela erzählt.

Dieser Ansatz hat etwas zutiefst Zeitgemäßes. In einer Epoche, die Selbstdarstellung, Gesichter und Algorithmen feiert, fasziniert eines der einflussreichsten Häuser der Mode gerade deshalb, weil es sich für die Unsichtbarkeit entschieden hat. Mit einer einzigen Frage auf seinem Plakat – «Who are you?» – versucht Anonymity wohl nicht, das Geheimnis um Margiela zu lüften, sondern daran zu erinnern, dass das Geheimnis für ihn nie ein Hindernis für das Schaffen war: Es war stets sein Ausgangspunkt.

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