
Welchen Berg muss Loewes FW26 erklimmen? Die zweite Kollektion des Kreativduos McCollough/Hernandez lässt mehrere Zweifel aufkommen

Kennen Sie den Moment, in dem ein Creative Director eine Maison verlässt und bevor ein Nachfolger bekannt gegeben wird, dieser zarte Schwebezustand der Designstudio-Kollektionen entsteht, die oft ein Mischmasch aus sicheren Codes sind, auf denen die Marke ihr Fundament aufbaut, begleitet von dissonanten Jokern, die die Kollektion nicht besonders bemerkenswert machen? Nun, das war der erste Eindruck von Loewes FW26, mit dem kleinen Detail, dass er nicht vom hauseigenen Studio entworfen wurde, sondern die zweite Kollektion von Jack McCollough und Lazaro Hernandez darstellt.
Die Bildsprache, in die uns die Kollektion eintauchen lässt, ist die eines neuen Gorp-Core mit technischer Oberbekleidung, Wickelsonnenbrillen, Pumps, die die Form von Boulderschuhen nachahmen, und engen Kapuzen, kombiniert mit langen, voluminösen Pelzmänteln, Tartan-Minikleidern und fluoreszierenden Leggings. Die gepressten Lederbehandlungen, die surrealen Volumen und die weichen Formen waren alle vorhanden, wurden aber eher mittelmäßig ausgeführt.
Denn während der gesamten Show gab es keinen störenden Moment im Sinne von Loewe (bis auf ein paar kissenförmige Schals), weder in der Kollektion noch in den Accessoires: Alles war, mehr oder weniger, okay. Keine Tomate, keine Rose, keine Taube, nur eine Reihe anonymer Taschen, die trotzdem wunderschön waren. Ein Gefühl der Kontinuität, vielleicht zu eigensinnig, mit ihrer Debütkollektion. Das gleiche Colorblocking, das gleiche Spiel mit halb weggelassenen Kragen, die gleichen Schnittmuster für die drapierten Kleider, die gleichen Lagen für die Kapuzen. Eine Unterschrift ist eine Sache, aber hier könnten wir es fast Faulheit nennen.
Im Inneren des Veranstaltungsortes gab es unterdessen eine Reihe von weichen Skulpturen, die Meerestiere darstellten, die als riesige Plüschtiere aus dunklem Samt hergestellt wurden. Eine liegende Robbe, ein Hummer mit verlängerten Krallen, ein aufsteigender Orca und sogar ein stilisierter Hund mit spitzen Ohren, alles in sich trägt die taktile, fast kindliche Qualität, die in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten Merkmale von Loewes Bildsprache geworden ist.
Derselbe Geist war bereits in der Einladung enthalten, einer Hummerkralle aus Leder, die aufgeblasen werden konnte. Ein bewusst verspieltes Objekt, das an ein Meeresuniversum zu denken schien, fast karikaturhaft. Der Soundtrack ging auch in dieselbe Richtung. Während der Show konnte man Naturgeräusche, Vogelgezwitscher und Umgebungsgeräusche hören, näher an einer Berglandschaft oder einem Wald als an einer Pariser Landebahn. Alles schien eine naturalistische, fast naive Vorstellungskraft aufzubauen, in der Fauna und Landschaft zu einem integralen Bestandteil der Erzählung wurden. Das Problem ist, dass diese Bilder es nie wirklich auf die Landebahn geschafft haben.
Das Ergebnis ist eine ziemlich offensichtliche Dissonanz zwischen Konzept und Ausführung. Und genau hier taucht die größte Frage zu Loewes neuer Ausrichtung auf. In den letzten Jahren war die Marke zu einem Labor unvorhersehbarer Ideen geworden, das jede Jahreszeit in einen kleinen kulturellen Moment verwandeln konnte. FW26 hingegen scheint mehr daran interessiert zu sein, eine Grammatik zu konsolidieren als eine neue zu erfinden: Es ist keine falsche Sammlung, aber sie ist eine, die den Eindruck erweckt, nicht genug gewagt zu haben. Ein Aufstieg, der am Ende keine atemberaubende Aussicht bot.








































































































