
Missoni wird nicht mehr zur Gründerfamilie gehören, sondern Italiener bleiben Der italienische strategische Fonds hat die Übernahme bestätigt
Nach mehreren Gerüchten, die im vergangenen Jahr kursierten und über eine mögliche Übernahme von Missoni durch die Authentic Brands Group spekulierten, ist in den letzten Stunden eine Bestätigung eingetroffen, die die Perspektive des Deals verändert. Die von Ottavio und Rosita Missoni gegründete Marke wird nicht unter die Kontrolle eines US-Konzerns geraten, sondern zumindest vorerst in Europa und Italien verankert bleiben, da eine Übernahme mit dem Fondo Strategico Italiano verbunden ist.
Der Fonds hatte bereits 2018 41,2% der Marke übernommen, rund 70 Millionen Euro investiert und wurde damit faktisch zum wichtigsten externen Aktionär der Maison. In den letzten Monaten des Jahres 2025 tauchten jedoch mehrere Berichte auf, die darauf hindeuteten, dass die Investmentgesellschaft einen Austritt aus der Hauptstadt in Betracht zog, was die Tür für neue potenzielle Käufer öffnete. Zu den am häufigsten genannten Namen gehörte der von Jamie Salter geführte Mischkonzern, der in den letzten Jahren ein riesiges Portfolio an Marken aus dem Mittelstand aufgebaut hat, von Guess über Champion bis hin zu Forever 21, und das offenbar darauf aus war, endlich in den Luxusmarkt einzusteigen (mit einer angeblichen Übernahme von Marc Jacobs).
Missoni bleibt italienisch (und ein bisschen deutsch)
Die Realität erwies sich, wie so oft im Modesystem, als komplexer als die Gerüchte vermuten ließen. Laut WWD ist ein neuer europäischer Akteur hinzugekommen: Katjes International, eine deutsche Gruppe, die hauptsächlich im Konsumgütersektor bekannt ist und an der Frankfurter Börse notiert ist, hat über ihre Tochtergesellschaft Katjes Quiet Luxury eine Vereinbarung zur Übernahme von rund 27% von Missoni unterzeichnet.
Katjes hat sich auch eine Kaufoption auf die Aktien des Fondo Strategico Italiano gesichert, eine Klausel, die es dem Unternehmen ermöglichen könnte, in Zukunft Mehrheitsaktionär der Marke zu werden. Der Abschluss der Transaktion wird im zweiten Quartal des Jahres erwartet, vorbehaltlich der Genehmigung durch die zuständigen Kartellbehörden. In der Zwischenzeit wird sich die Unternehmensführung nicht unmittelbar ändern. Livio Proli, ein langjähriger Manager aus dem Universum von Giorgio Armani, der Missoni seit 2020 leitet, bleibt CEO, während Barnaba Ravà, Mitbegründer von FSI, die Rolle des Vorsitzenden behalten wird. Das Gleiche gilt für Alberto Caliri, den Creative Director, der 2024 dazu kam.
Was ist der Fondo Strategico Italiano?
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— linda (@itgirlbackup) February 25, 2026
Um den Deal zu verstehen, muss man einen Schritt zurücktreten und sich mit der Bedeutung dieser inländischen Akquisition befassen. Der Fondo Strategico Italiano (FSI) ist eine Investmentgesellschaft, die sich auf die Unterstützung italienischer Unternehmen spezialisiert hat, die als strategisch angesehen werden, mit dem Ziel, ihr Wachstum zu begleiten, ohne ihre industrielle Identität zu verzerren. Der 2011 von Cassa Depositi e Prestiti gegründete Fonds wurde konzipiert, um das nationale unternehmerische Ökosystem in Schlüsselsektoren wie Mode, Lebensmittel, Technologie und fortschrittliche Fertigung zu unterstützen. Im Gegensatz zu vielen traditionellen Finanzfonds verfolgt FSI nicht den Ansatz einer kurzfristigen spekulativen Akquisition, sondern eher den eines Industriepartners, der Unternehmen bei Wachstums-, Internationalisierungs- und Konsolidierungsstrategien unterstützt, wie im Fall von Dolce & Gabbana Beauty.
Missonis Wachstum im vergangenen Jahr
Für Missoni kommt diese neue Phase aus kommerzieller Sicht zu einem relativ positiven Zeitpunkt. Nach Schätzungen von WWD haben die neuesten von Caliri entworfenen Kollektionen zu einer Umsatzsteigerung von rund 30% beigetragen. Der Umsatz lag bei rund 130 Millionen € und ein erwartetes EBITDA von etwa 20 Millionen €. Das Ergebnis ist daher ein in der heutigen Modelandschaft eher seltener Kompromiss. Missoni wird nicht mehr von der Gründerfamilie kontrolliert, vermeidet aber gleichzeitig, unter dem Dach eines der großen globalen Konglomerate zu landen. Es wird eine europäische Marke bleiben, bei der die Regierungsführung vorerst immer noch auf Italien ausgerichtet ist, auch wenn eine neue deutsche Präsenz in den kommenden Jahren wahrscheinlich zunehmend an Gewicht gewinnen wird. Könnte es sein, dass Made in Italy endlich ein Comeback feiert?












































