
In diesem Sommer sollten Flip-Flops mit langen Hosen kombiniert werden Wie aus dem ungeahnten Flip-Flop ein Stadtschuh wurde
In turbulenten Zeiten wie diesen träumt die Mode von Entspannung. Eine Entspannung, die sich nicht nur auf die Proportionen der Kleidung oder die Weichheit der Materialien bezieht, sondern auch auf die Unbeschwertheit der Looks, ihre selbstgefällige Lässigkeit – stets sorgfältig inszeniert, versteht sich. Auf der langen Welle des Y2K-Revivals, mit seinem rustikalen und bewusst unordentlichen Stil, scheint sich im Unterholz der Mode eine ganz bestimmte Kombination herauszukristallisieren: Baggy-Hosen und Flip-Flops. Generell erlebt die Sandale bzw. der Flip-Flop, seit jeher ein großer Klassiker des italienischen (und natürlich brasilianischen) Sommers, eine neue Popularitätswelle: Havaianas, das Unternehmen, das die Flip-Flops buchstäblich erfunden hat, produziert Kollaborationen am laufenden Band – die bekannteste mit Dolce&Gabbana, aber auch mit Isabel Marant oder FARM Rio.
Weitere Flip-Flops, auf die wir gleich eingehen werden, tauchten in den SS26-Kollektionen verschiedener Marken während der vergangenen Fashion Weeks auf; vor allem aber sucht das Publikum, begünstigt durch die Jahreszeit, sie in einem geradezu intensiven Tempo. Doch woher kommt diese Popularität? Die Sache wird interessanter, wenn man sie mit der eigenen Alltagserfahrung vergleicht: Flip-Flops sind längst kein reiner Strandschuh mehr, sondern überall auch in der Stadt zu sehen, kombiniert – wie bereits erwähnt – mit extrem weiten Hosen oder Shorts, die sie fast vollständig verdecken.
Ein „Flip-Flop-Craze"
Um die Popularität der Flip-Flops zu verstehen, könnte es hilfreich sein, sich anzuschauen, wie sich die Schuhtrends im vergangenen Jahr entwickelt haben und wie verschiedene Modemarken den Stil neu interpretiert haben. Zunächst muss man sich klarmachen, dass die Kombination aus langer Hose und Flip-Flop eine Ableitung des Trends ist, bei dem Schuhe immer flacher und dünner, immer bodennäher wurden und der Fuß unter einem üppigen Faltenwurf übergroßer Hosen verschwand.
Der Ton dieser Kombination, die zugegeben nicht zu den traditionell elegantesten gehört, spiegelt perfekt den Geschmack für eine bewusst billig wirkende Ästhetik wider, inspiriert von den Mall Rats der späten 1990er und frühen 2000er Jahre – bestehend aus gestreiften Polohemden, Chinos, Karojacken und V-Ausschnitt-Pullovern. Das ist nicht nur eine Reaktion auf das Quiet Luxury der letzten Jahre, sondern fast eine subtile Perversion des Normcore.
Der Flip-Flop gelangt dorthin, wo die klassische Badelatschen nicht hinkommt – und das allein dank der Funktionalität seines Designs. Dieses Design hat in der jüngsten SS26-Kollektion von Chloé ein interessantes, exzentrisches Update erhalten, wo die Silhouette durch gelartige Materialien und elegante Konstruktionen eine bohèmienhafte, femininere Sinnlichkeit annimmt; bis hin zu Alaïa, das in der FW26 an der Form und der Sinnlichkeit des Fußes arbeitet. Demna wiederum bringt den Flip-Flop in seine Gucci Riviera, ersetzt Gummi durch Leder und versieht die Silhouette mit dem phantasmagorischen Doppel-G, was ihn zu einem kostbaren Objekt macht. Zum eigentlichen Markenzeichen hat ihn jedoch Auralee in seiner SS26 gemacht.
Andernorts liegt die Transformation im Wesen und in der Funktionalität des Objekts selbst: The Row verkörpert weiterhin die reinste und radikalste Version des Trends, bei der die Schlichtheit der Form paradoxerweise zum eigentlichen Luxuselement wird. Auch Phoebe Philo stellt in ihren mit Spannung erwarteten Drops die Grenze zwischen Casual und Sophisticated durch ein skulpturales und durch und durch cooles Design in Frage, während sie in der SS26-Kollektion von Armani zum raffiniertesten Schuhwerk des Sommers avancieren.
Die ungewöhnliche Präsenz im Menswear
In all diesen verschiedenen Erscheinungsformen ist es durchaus überraschend, den Flip-Flop auf den Männerlaufstegen zu sehen – nicht so sehr, weil diese Kombination noch nie zu sehen gewesen wäre, sondern weil sie normalerweise in sehr informellen Kontexten auftrat und selten zum Mittelpunkt eines Looks wurde. In unserem Land gibt es Männer, die sich weigern, kurze Hosen zu tragen – von Jeans und Flip-Flops in der Stadt wie ein Tourist ganz zu schweigen.
In einer Welt, in der die Männersandale wenig schmeichelhafte Konnotationen mit sich trägt – von den eher, sagen wir, franziskanisch-klösterlichen über die hippiesken bis hin zum Infantilismus der Klettverschlusssandale –, hat es der Flip-Flop geschafft, weiterhin ein Gefühl von Agilität und Vitalität zu vermitteln. Kein Zufall, dass er der einzige Strandschuh ist, der weder mit Alten noch mit Kindern assoziiert wird.
Und angesichts immer wärmerer Temperaturen weltweit und immer belebterer Städte auch im Sommer war es nur eine Frage der Zeit, bis der Flip-Flop den Stränden von Copacabana Lebewohl sagte und auf den Bürgersteigen der europäischen Hauptstädte ankam. Um ihn in der Stadt zu tragen, sollte man jedoch einen einzigen Rat beherzigen: Die Kombination funktioniert nur, wenn die Flip-Flops mit einem städtischen Look kontrastieren. Wer sich dazu in Shorts und Unterhemd kleidet, wirkt schlicht wie ein Badegast, der 100 km vom Meer entfernt die Orientierung verloren hat.






















































