
Ist Fechten die neue Modebesessenheit? Nach dem Tenniscore ist es Zeit für Fechtmode

Nach dem Siegeszug der Militärkleidung, als historische Uniformen und imperiale Jacken die Laufstege dominierten, scheint das Modeladar der Generation Z bereits woanders hinzuschauen. Vielleicht ist es an der Zeit, die Zöpfe und Borten der sogenannten „Napoleonic“ -Jacke zu vergessen, denn die coolen Kids von Fashiontok richten ihre Aufmerksamkeit schnell auf eine neue Obsession: die Fechtjacke. Ein Kleidungsstück, das sich durch seinen unverkennbaren diagonalen Verschluss auszeichnet, der den Uniformen der Fechter entlehnt ist, ist das erste Signal für eine Wiederbelebung der Fechtmode, eine Ästhetik, die auf den letzten Laufstegen sowohl durch explizite Referenzen als auch durch subtile stilistische Anspielungen allmählich Gestalt annimmt.
Der neue Modetrend auf TikTok
@tiat_studio Giovedì 20/11 18:00 uscirà finalmente il nostro drop. Prevenire una Fencing jacket in denim Candiani 14 OZ assieme al suo bootcut laserato #rawdenim #denimjacket #bootcut #fencingjacket Beat Way Up - Type Beats Trap
Dieser Trend wird durch eine ganz bestimmte Nische innerhalb der Modeszene der Generation Z vorangetrieben, die sich hauptsächlich aus männlichen Künstlern zusammensetzt, die von japanischer Schneiderkunst und seltenen militärischen Archivstücken fasziniert sind. Ihre For You-Seiten, die bis vor Kurzem mit den Camion-Stiefeln von Our Legacy und Lemaires Croissant-Taschen überflutet waren, machen jetzt Platz für die Fechtjacke.
Einige dieser jungen „Schwertkämpfer“ durchsuchen gebrauchte Plattformen auf der Suche nach dem Stück, während andere sogar ihre eigenen Marken auf den Markt gebracht haben. Dies ist bei den Sergi Studios und Tiat Studios der Fall, die mit Mini-Drops ihre eigene Interpretation der Fechtjacke eingeführt haben. Der Schnitt der Jacke bleibt der viktorianischen Fechtuniform treu (einst aus Canvas oder Leder gefertigt), wird aber jetzt in Denim neu interpretiert und oft mit Bootcut-Jeans und englischen Loafern gestylt.
Die Geschichte des Fechtens in der Mode
Stilistische Verweise auf die Welt des Fechtens sind alles andere als neu in Mode. Alexander McQueen gehörte zu den ersten Designern, die das visuelle Vokabular der Fechtmode in seiner ikonischen Kollektion „No. 13“ (Frühjahr/Sommer 1999) prägten. Sie enthielt skulpturale Kleidungsstücke, die von Lamés, den gepolsterten Uniformen, inspiriert waren, die bei Folienfechten getragen werden. Besonders symbolisch war der Look, den die paralympische Athletin Aimee Mullins trug: ein Oberteil aus Leder mit sichtbaren diagonalen Nähten gepaart mit geschnitzten Beinprothesen aus Ulmenholz, wodurch eine hybride Figur irgendwo zwischen einem Fechter und einem Amazonas-Krieger entsteht.
Es war Maria Grazia Chiuri, die während ihrer kreativen Leitung bei Christian Dior die ästhetische Verbindung zwischen Fechten und Mode erneuerte und festigte. Oft ließ sie sich von olympischen Sportuniformen inspirieren, die als Prêt-à-Porter oder sogar Couture neu interpretiert wurden. 2017 widmete sie der Folienuniform eine ganze Kollektion (SS17, Prêt-à-Porter) und schickte Fechtjacken und gesteppte Mieder — immer in weiß — mit hohen Knopfverschlüssen und Seitengurten den Laufsteg hinunter, gepaart mit kurzen Hosen, die an die von Sportlern auf der Piste getragen wurden.
Die romantischen Schwertkämpfer auf dem Laufsteg
In den letzten Modewochen hat sich Fechtmode entlang zweier ästhetischer Hauptpfade entwickelt. Einige Designer haben sich von der romantischen und historischen Fantasie inspirieren lassen, die mit dem Fechten verbunden ist. Marken wie Dior Homme, Wales Bonner und Enfants Riches Déprimés führten Elemente des 19. Jahrhunderts in ihre Sommerkollektionen ein — Plastrons, Ascots, Capes und Redingotes —, die alle durch kulturelle Referenzen wie Dumas, Die drei Musketiere oder Cyrano de Bergerac mit der historischen Ikonographie der Folie verbunden sind. Bei Ann Demeulemeester integrierte Stefano Gallici Westen mit schrägen Knopfreihen, die an Musketierkleidung erinnern, in seine Wiederbelebung der Husaren-Militärjacke.
Andere Designer haben sich jedoch auf die moderne Version der Fechtmode konzentriert, die der zeitgenössischen Sportbekleidung der Fechter näher kommt. Vaquera und Fear of God präsentierten beispielsweise in ihren Sommershows ihre eigenen Fechtjacken: Erstere entschieden sich für weiße Ledermäntel und Bomberjacken mit dem typischen diagonalen Wickelverschluss, während letztere die Fechterjacke in das stille Luxus-Vokabular der amerikanischen Marke aufnahmen.
Die Darstellung des asiatischen Fechtens
Nicolas Ghesquière von Louis Vuitton und Louise Trotter von Bottega Veneta haben den Trend implizit aufgegriffen und Hemden mit einer Art Mandarinkragen oder Kragen im koreanischen Stil entworfen, die auch heute noch für Fechtjacken verwendet werden, um die Kehle der Athleten im Kampf zu schützen. Eine andere Interpretation stammt von Pieter Mulier, der in seiner neuesten Alaïa-Sammlung über die westliche Fechttradition hinauszuschauen schien, indem er sich auf die japanische Kunst des Kenjutsu (die Kunst des Schwertes) bezog.
Der belgische Designer entwarf SS26-Kimonos und lange Hemden mit hohen, strukturierten Kragen, die an die zeremoniellen und duellierten Kleidungsstücke von Samurai mit Katanas erinnern. In jüngerer Zeit wurde Fechtmode im Hinblick auf ihre technische, funktionale und schützende Dimension erforscht. Ein klares Beispiel ist die von Songzio und Heliot Emil angekündigte Zusammenarbeit. In ihrer „Duel“ -Kollektion ließen sich die Marken von moderner Fechtausrüstung inspirieren und entwarfen Stücke mit architektonischen und funktionalen Silhouetten, die an Kohlefaserrüstung erinnern — eine perfekte Kombination aus historischer Eleganz und technischer Avantgarde, die die „Schwertkämpfer“ von Fashiontok zweifellos zu schätzen wissen.

























































