In China nutzt die Gen Z jetzt traditionelle Medizin in Cocktails Ein neuer Trend, der dem Bild der „Sober Generation" widerspricht

Das «China-Maxxing» war zweifellos einer der wichtigsten Trends der ersten Jahreshälfte im Westen. Die Jugendlichen der Gen Z haben die Kultur des Reichs der Mitte wiederentdeckt – zwischen Labubu, traditioneller Medizin, viralen Memes und einer allgemeinen Faszination für alles Chinesische – und befinden sich in einer «very Chinese time of their life». Doch während im Westen die Praktiken der traditionellen chinesischen Medizin plötzlich in den sozialen Medien populär geworden sind, wie sieht die Lage in ihrem Ursprungsland aus? Nicht allzu anders, um ehrlich zu sein.

In den letzten Monaten hat ein neues Phänomen namens «Punk Wellness» Fuß gefasst – eine Philosophie, die irgendwo zwischen gemäßigtem Feiern und spätnächtlichem Trinken angesiedelt ist und dabei versucht, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Seit Beginn des Jahres sind in den größten chinesischen Städten mehrere «TCM Bars» entstanden, Lokale, die Cocktails auf Basis von Alkohol und Zutaten der traditionellen chinesischen Medizin anbieten. Das Ziel? Spaß haben und dabei den Kater so weit wie möglich abmildern – auf natürliche Weise.

Warum entstehen in China TCM-Bars?

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Wie France24 und AFP berichten, sind diese Lokale der Spiegel einer zunehmend gestressten Generation. Zwischen der wirtschaftlichen Verlangsamung, einem äußerst wettbewerbsintensiven Arbeitsmarkt und der berüchtigten «996»-Kultur – von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends, sechs Tage die Woche zu arbeiten – suchen junge Chinesinnen und Chinesen neue Wege, sich ein paar Stunden Freizeit zu gönnen, ohne dabei auf die zeitgenössische Obsession für Wohlbefinden zu verzichten. Genau aus diesem Widerspruch heraus entsteht das Konzept des «Punk Wellness».

In Shanghai ist eine der bekanntesten Adressen Niang Qing, eine Bar, die von Studierenden der Shanghai University of Traditional Chinese Medicine gegründet wurde. Hier liest ein Arzt für traditionelle chinesische Medizin den Kunden den Puls und empfiehlt Zutaten wie Goji-Beeren, Angelikawurzel, rote Datteln und andere Kräuter, die anschließend zu maßgeschneiderten Cocktails verarbeitet werden. Das Konzept, so erklären die Gründer, bestehe nicht darin, Menschen durch Alkohol zu heilen, sondern eine jahrtausendealte Tradition für eine Generation zugänglicher zu machen, die wohl nie eine traditionelle Apotheke betreten würde. Dabei ist die Verbindung von Alkohol und Heilkräutern auch in der chinesischen Kultur keine Neuheit: Die sogenannten Medizinalweine existieren seit Jahrhunderten.

Medizinische Cocktails erobern auch den Rest der Welt

Das Phänomen beschränkt sich jedoch nicht auf China. Wie Fine Dining Lovers berichtet, finden typische Zutaten der traditionellen chinesischen Medizin zunehmend Eingang in Cocktailbars und Restaurants in Nordamerika und Asien. Eines der kuriosesten Beispiele ist das Nin Jiom Pei Pa Koa, der bekannte chinesische Hustensirup auf Honig- und Kräuterbasis, der in den letzten Jahren in Drinks, Desserts, Eiscreme und Bubble Tea aufgetaucht ist – etwa im Lucky Danger in Washington DC, wo er zur Neuinterpretation klassischer Cocktails wie Negroni und Boulevardier eingesetzt wird. Die Keefer Bar in Vancouver wiederum baut einen Großteil ihrer Getränkekarte rund um Ginseng, rote Datteln, Wurzeln und Heilpilze auf, die in den traditionsreichen Kräuterläden von Chinatown erworben werden. In Singapur hat das Lokal Synthesis die traditionelle chinesische Medizin und die Mixologie zu seiner eigenen Identität gemacht.

Der Erfolg dieser Drinks fügt sich in einen umfassenderen Wandel der Konsumgewohnheiten ein. Wie Linkiesta feststellt, haben sich zwischen 2022 und 2024 über 61 Millionen Menschen in den zehn wichtigsten Märkten der Welt alkoholfreien und alkoholarmen Getränken zugewandt, während der Markt für alkoholfreie Spirituosen bis 2028 einen Wert von über 4 Milliarden Dollar erreichen könnte. Auch in Europa widmen immer mehr Bars eigene Abschnitte ihrer Getränkekarten botanischen und fermentierten Angeboten – wie im Fall von Emanuele Balestra, Mixologist im Hôtel Barrière Le Majestic in Cannes, der auf natürliche Zutaten, Tees und pflanzliche Extrakte spezialisiert ist.

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